Hundehaut ist out

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Was ist denn das für eine Geschmacklosigkeit, hat der wirklich Hundehaut gesagt? Das ist ja unerhört! Ist es in der Tat. Waren und sind die netten Vierbeiner doch der beste Freund des Menschen. Doch damals, ungefährt 600 Jahre vor unserer Zeit, war die Hundehaut fester Bestandteil eines jeden Druckprozesses.

Die erste bekannte Druckpresse geht wohl auf den Mainzer Johannes Gutenberg zurück, der um 1442 eine Spindelpresse zum Zwecke des Buchdrucks einsetzte. Wahrlich eine revolutionäre Erfindung. War die Herstellung eines Buches zuvor immens aufwendig, so konnten nun einigermaßen schnell hunderte identische Exemplare hergestellt werden. Aber wozu zum Teufel die Hundehaut?

Ein kurzer Exkurs

Druckerballen
Als Druckerballen bezeichnet man das Werkzeug eines Druckers, um die Druckform einzufärben.

Zum drucken benötigte man damals immer eine Druckform, die aus einzelnen Stempeln beliebiger Anordnung bestand. Die jeweiligen Stempel in der Druckform wurden mithilfe von eines Ballen aus Hundeleder mit ölhaltiger Tinte bestrichen. Hundehaut hat keine Poren, so konnte die Farbe nicht nach Innen sickern. Das war´s im Grunde schon. Btw: Das ist übrigens auch der Grund weswegen den Hunden im Sommer die Zunge aus dem Mund hängt. Hunde schwitzen nicht wie wir durch die Haut, sie schwitzen durch ihre Zunge.

Heute wird in der Druckerbranche natürlich keine Hundehaut mehr verwendet. Es hat sich herausgestellt, dass Katzenhaut noch viel geeigneter und dienender ist. Spaß beiseite. So etwas wie eine Druckplatte finden Sie heute ohnehin in nahezu keiner, wenn überhaupt in sehr speziellen Druckereien. Der Digitaldruck und der Offsettdruck haben längst das Ruder übernommen. Sie sind günstiger, schneller und vielseitiger. So muss nicht für jedes Druckmotiv eine spezielle Druckplatte angefertigt werden. Die gewünschten Druckmotive oder Schriften werden ganz bequem auf den Rechner geladen und dann sekundenschnell auf´s Papier oder den Karton gebracht. Oder aber auf den Kugelschreiber, die Baumwolltragetasche, das T-Shirt. Nun ja, die Liste liese sich ewig weiterführen. Heute leistet die Druckerbranche aber weitaus mehr als einfache Buch- oder Motivdrucke.

Die aktuellen Trends

Die aktuellen Trends
Besonders Kaschierungen und Prägungen liegen im Trend.

Die Druckerbranche hat sich entwickelt, und zwar in gehörigen Maße. Heute wird nicht nur gedruckt, heute wird veredelt. Besonders Kaschierungen und Prägungen liegen im Trend. Spezielle Lacke mit 3D-Effekt, oder spiegelnde Folien bescheren dem Empfänger eines solchen Druckprodukts besondere haptische Erlebnisse. Gutenberg wäre wahrlich vom Hocker gefallen. Vermutlich hätte er noch zigtausende mehr seiner Bibeln absetzen können.

Der Trend geht heute ganz klar weg vom "einfachen" Druck, hin zum außergewöhnlichen und einzigartigem. Auch in Zeiten der Digitalisierung sind Druckprodukte heiß begehrt, und weiterhin ein zielführendes Mittel hin zu erfolgreichem Marketing. Wachsende Konkurrenz und die Überfüllung der Märkte zwingen Unternehmen jeder Branche einen einzigartigen Auftritt vor dem Endverbraucher, oder Geschäftspartnern hinzulegen. So werden die Menschen mit interessanten Werbegeschenken umgarnt, mit hübschen Angebotsmappen zum Vertragsschluss bewegt, und ansprechenden Verpackungen zum Kauf animiert. "Survival of the fittest", so könnte man das Marktgeschehen wohl klassifizieren.

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